Projektbeschreibung

Sonett auf die Fruchtbringende Gesellschaft. In: (Fürst Ludwig von Anhalt-Köthen u. a.:) Der Fruchtbringenden Gesellschafft Vorhaben/ Nahmen/ Gemählde Vnd Wörter, Frankfurt a. M. 1629/30, Bl. [A iv]. Historisches Museum Köthen: V S 677 c
Sonett auf die Fruchtbringende Gesellschaft. In: (Fürst Ludwig von Anhalt-Köthen u. a.:) Der Fruchtbringenden Gesellschafft Vorhaben/ Nahmen/ Gemählde Vnd Wörter, Frankfurt a. M. 1629/30, Bl. [A iv]. Historisches Museum Köthen: V S 677 c

Die Fruchtbringende Gesellschaft (FG), die von 1617 bis 1680 offiziell bestand und am Ende 890 Mitglieder umfaßte, war die früheste, größte und bedeutendste kulturelle Vereinigung des 17. Jahrhunderts in Deutschland – in einer Zeit, die von langen Kriegen, lähmendem Konfessionsstreit und tiefen sozialen, politischen und geistigen Umbrüchen gezeichnet war. Die Gesellschaft, am Vorabend des 30jährigen Krieges von reformierten anhaltischen und lutherischen weimarischen Fürsten und Hofleuten gegründet, bemühte sich rasch, Fürsten, Adelige, Räte, Militärs, Gelehrte und Dichter von unterschiedlicher Konfession und Parteizugehörigkeit und von ständisch, regional und national verschiedener Herkunft zu vereinen. Ihre anfängliche Position im Milieu der antihabsburgischen protestantischen Aktionspartei trat im Laufe des Krieges rasch zugunsten des irenisch-pazifizierenden Ausgleichs zurück. So konzentrierte sich die FG im Rahmen einer allgemeinen Tugend- und Zivilitätsbeförderung und unter der Gesellschaftsdevise universaler Nützlichkeit („Alles zu Nutzen“) auf die Pflege und Regulierung der deutschen Muttersprache und die Entwicklung einer den humanistischen Ansprüchen auf Gelehrsamkeit und Formvollendung genügenden volkssprachigen Literatur und Fachprosa. Dieses weitgespannte, ethisch und pädagogisch, literarisch und wissenschaftlich ambitionierte Vorhaben kontrastiert stark mit dem überkommenen Bild einer puristischen „Sprachgesellschaft“, das dem Anspruch und der praktischen Wirksamkeit der Akademie nicht gerecht wird. Sie vermittelte vielmehr das in ihr dominante Element politisch und sozial führender, kulturell- und wissenschaftlich aufgeschlossener fürstlich-adeliger „Laien“ mit dem der professionellen, meist bürgerlichen Gelehrsamkeit. Als einziger deutscher Sozietät des 17. Jahrhunderts gelang es ihr, eine nicht mehr höfisch, konfessionell, ständisch, staatlich oder regional begrenzte Führungsschicht für die Fundierung einer deutschen Nationalkultur zu gewinnen, und, wiederum als einzige deutsche Akademie vor Leibniz und der Frühaufklärung, nationale und internationale Ausstrahlung zu gewinnen. Die langjährigen Forschungsschwerpunkte Klaus Conermanns (University of Pittsburgh, Pennsylvania) und Martin Birchers (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel) verdichteten sich 1988 in der Installation des durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungs- und Editionsprojekts: Die deutsche Akademie des 17. Jahrhunderts: Fruchtbringende Gesellschaft an der Herzog August Bibliothek. Mit Beginn 2001 ging das Projekt in die Förderung durch das deutsche Akademienprogramm und in die Trägerschaft der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig über. Sitz der Projekt-Arbeitsstelle blieb die Herzog August Bibliothek, die dem Vorhaben durch einen Kooperationsvertrag verbunden blieb. Als Förderungszeitraum wurden 15 Jahre vorgesehen (2001-2015). Im Zentrum des Projekts steht die Edition, die sich auf eine kritische Veröffentlichung der Korrespondenzen der Gesellschaft konzentriert.